Der Goldpreis gab am 18. August nach zwei Handelstagen mit Kursgewinnen wieder nach. Das zeigt, wie unberechenbar das Edelmetall reagieren kann, wenn geopolitische Risiken, Inflation und Zinsen aufeinandertreffen.
Reuters berichtete, dass der Kassagoldpreis am Dienstag bis 12:01 GMT um 0.5% auf $4,392.86 je Unze fiel. Einen Tag zuvor war er um 0.9% auf $4,417.24 gestiegen, nachdem der U.S.-Dollar nachgegeben hatte und die Erwartungen an eine Zinserhöhung der Federal Reserve im September gesunken waren.
Diese Trendwende wirkt dramatisch, ist im Rahmen der übergeordneten starken Aufwärtsbewegung jedoch weiterhin nur ein Rücksetzer. Daten von Trading Economics zufolge lag Gold am Dienstag über den vorangegangenen Monat betrachtet rund 9% und gegenüber dem Vorjahr mehr als 31% im Plus.
Warum der Goldpreis nachgab
Neue Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran würden die Attraktivität von Gold als sicherem Hafen normalerweise erhöhen. Dieses Mal lief die unmittelbare Marktreaktion jedoch über den Öl- und den Anleihemarkt.
Die Ölpreise stiegen, nachdem die Hoffnung auf eine Verlängerung der Waffenruhe geschwunden war. Höhere Energiekosten schürten Inflationssorgen, während Verkäufe von U.S.-Staatsanleihen die Rendite 30-jähriger Treasuries auf den höchsten Stand seit 2007 trieben. Steigende Renditen machen das unverzinsliche Gold weniger attraktiv und können den Dollar stärken – zwei Belastungsfaktoren zugleich.

Darin liegt der Grund für die aktuellen Schwankungen: Geopolitische Ängste stützen die Nachfrage nach Absicherung, doch Inflation und höhere Renditen verteuern das Halten dieser Absicherung. Anleger, die die Mechanismen hinter dem Referenzpreis verstehen möchten, sollten noch einmal nachlesen, wie der Goldpreis festgesetzt wird.
Die Federal Reserve liefert den nächsten Impuls
Der Goldpreisanstieg am Montag wurde durch schwächere U.S.-Konjunkturdaten und sinkende Erwartungen an eine kurzfristige Zinserhöhung begünstigt. Reuters zufolge bezifferten Händler die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September auf 33%, nach 51.2% einen Monat zuvor.
Der Fokus richtet sich nun auf das am Mittwoch anstehende Protokoll der Juli-Sitzung der Federal Reserve. Ein vorsichtiger Ton könnte die Renditen unter Druck setzen und Gold stützen. Eine deutlichere Warnung vor der Inflation könnte das Gegenteil bewirken.

Damit sind der Dollar und der Treasury-Markt ebenso wichtig wie die nächste geopolitische Schlagzeile. Die langfristigen Argumente für Gold mögen weiterhin Bestand haben, doch der Weg dürfte nicht geradlinig verlaufen. Unser früherer Goldpreisausblick erläutert, warum geldpolitische Erwartungen die Marktstimmung schnell überlagern können.
Worauf Goldanleger achten sollten
In den kommenden Handelstagen sind vor allem drei Signale entscheidend:
- Treasury-Renditen: Ein weiterer Anstieg würde die Opportunitätskosten des Goldbesitzes erhöhen.
- Der U.S.-Dollar: Eine weitere Abwertung würde Gold für Käufer mit anderen Währungen günstiger machen.
- Öl und Iran: Eine Eskalation könnte die Nachfrage nach sicheren Häfen stützen. Ein sprunghafter Ölpreisanstieg könnte jedoch auch Inflationsängste neu entfachen und die Renditen nach oben treiben.
Die Schlussfolgerung ist einfach: Geopolitischer Stress wirkt sich nicht automatisch positiv auf den Goldpreis aus. Der Markt wägt die Angst gegen den Preis des Geldes ab – und derzeit kann sich dieses Gleichgewicht innerhalb einer Stunde verschieben.

